Zur Startseite

Modellbau

Fernsteuerungen
Müritz
Skipper
Terra Crusher

Fernsteuerungen

Irgendwann Mitte der 70er Jahre fing ich an, mich für Funkfernsteueranlagen zu interessieren. Die waren damals in der DDR nicht so dicht gesät und billig waren sie auch nicht. Als gelernter Elektroniker denkt man da: "das kann so schwer nicht sein". Also ein passendes Kochbuch gekauft und los geht's.

Günter Miel war damals, was Bücher über den Selbstbau von solchen Anlagen anging, die erste Wahl. Also hab ich mir das obige Buch angeschafft. Ach ja, dann war da noch das leidige Problem mit den Genehmigungen. Erst mal brauchte man eine Genehmigung zum Aufbau der Anlage. Da mußte man erklären, was man damit anstellen wollte und auch Schaltpläne und technische Daten mußte man einreichen. Wenn die Genehmigung erteilt war, hatte man ein Jahr Zeit, die Anlage aufzubauen und einzumessen. Dann wurde sie zur Abnahme vorgestellt. Wenn alles OK war, bekam man endlich die Genehmigung zum Betreiben.

Das Papier oben ist für meine zweite Anlage, nachdem ich die erste an einen Kollegen verkauft hatte. Für diesen Verkauf brauchte ich übrigens auch erst wieder eine Genehmigung und Ihr ratet es wohl schon? Richtig, der Kollege brauchte auch eine Genehmigung um die Anlage zu kaufen und betreiben. Wir mochten damals wirklich Genehmigungen sehr! ;o)
Bei der Abnahme meiner ersten Anlage gab es übrigens eine lustige Episode. Das fand in der Funkentstörungsstelle der Deutschen Post statt. Ich sollte den Sender mit vollen Batterien und Schaltplan dort abgeben und eine Woche später wieder abholen. Als ich ihn abholen kam, sagte der verantwortliche Kollege in seiner ruhigen und gemütlichen Art: "Funktionieren tut er ja wohl, aber wie du mit 10 mW Sendeleistung auf eine vernünftige Reichweite kommen willst, ist mir ein Rätsel." Da war ich erst mal verblüfft. Der Sender hatte nämlich ca. 300 mW HF-Leistung. Das hatte bei meinen Versuchen locker für 500 Meter gereicht. Die Erklärung war einfach. Sie hatten bei der ganzen Messerei die Batterien geschafft, das war alles! Ich hatte einen neuen Satz dabei, mit dem dann auch amtlich 270 mW HF bestätigt wurden. Ich war da schon sehr erstaunt, daß die Experten auf leere Batterien nicht gekommen waren. ;o) Das machte aber alles gar nichts, schießlich gab es dann ja endlich den begehrten Lizenzaufkleber.


27,12 MHz AM, 4-Kanal Tipp Anlage

Meine erste Anlage war, wie im Buch beschrieben, eine sehr einfache 27,12 MHz AM 4-Kanal Tipp Fernsteuerung mit Pendelaudion Empfänger. Ich meine, technisch war sie schon einfach, nur damals nicht für mich. Ich hatte da schon so meine Probleme. Glücklicherweise hatte ich auch gute und hilfreiche Kollegen. Mit deren Hilfe hat es dann auch geklappt. Jedenfalls war ich stolz wie ein Spanier. Damals war eine Funkfernsteuerung ja auch noch wirklich was Besonderes. Heute wird niemand mehr so was bauen. Nur zur Information zeige ich hier mal die Schaltpläne.

tipp-sender
4-Kanal Tipp-Sender

pendelaudion
Pendelaudionempfänger
(man beachte die Germanium Transistoren)

nf-stufe
NF-Schaltstufe (davon gab's vier Stück)

Wenn man sich die Schaltpläne ansieht, dann ist das natürlich Nostalgie pur, aber Spaß hat's gemacht und funktioniert hat es auch.
Leider gibt es von der eigentlichen Anlage keine Bilder mehr. Das hier unten ist ein vergrößerter Auszug aus dem "Müritz" Bild, der den Sender zumindest von der Form her ahnen läßt ;)


27,12 MHz AM, 7-Kanal digital-proportional Anlage

Gegen Ende der 80er Jahre sollte es dann doch etwas Moderneres sein. So ist diese 7-Kanal proportional Anlage entstanden, wie immer alles im Eigenbau. Stolz war ich damals auf den Kreuzsteuerknüppel. Die Mechanik dafür war so ziemlich der maximale Schwierigkeitsgrad, den ich bewältigen konnte ;)

Hier unten ist die Empfangsanlage zu sehen. Links der 3,5A Fahrregler nach einer Schaltung aus der Zeitschrift "Modellbau Heute". Rechts daneben der Empfänger, der über dem Dekoder sitzt. Der erste Dekoder hatte nur zwei Kanäle. Unten die 4,8V Batterie mit Schalter. Ganz oben das einzige Kaufteil, der Servo. Ich hatte ursprünglich auch einen Eigenbauservo, der ging aber irgendwann verloren :(

Hier unten sind links der alte 2-Kanal und rechts der 7-Kanal Dekoder zu sehen.

Diese Anlage ist Gegenwärtig in den "Skipper" eingebaut. Na klar gibt es inzwischen alles das preiswert und viel besser fertig zu kaufen. Zum Wegschmeißen ist es aber zu schade (finde ich). Und selber bauen macht mir immer noch am meisten Spaß.


 

Kajütboot "Müritz"

Die Müritz gab es Anfang der 70er Jahre in der DDR als Holzbausatz zu kaufen. Ich hab sie etwa 1972 während meiner Lehrzeit gekauft und auch angefangen. Fertig geworden ist sie erst 8 Jahre später. Gesteuert wird sie von meiner ersten Eigenbau Fernsteueranlage (27,12 MHz, AM 4-Kanal Tipp). Sie hatte einen 12V Antriebsmotor der von 4 Stück 4,5V Flachbatterien gespeist wurde. Das war nicht eben günstig aber der Schiffskörper hatte die Stauräume für die Batterien eingebaut und es war nicht so einfach, das auf andere Typen umzufriemeln. Der Empfänger wurde von 2V Bleiakkus gespeist, ich glaube es waren 3 in Reihe. Die Rudermaschine war ein kompletter Eigenbau mit Endabschaltung rechts-links aber ohne automatische Mittelstellung. Da mußte man beim Steuern schon ein bischen fummeln, um wirklich geradeaus zu fahren.

Das Photo muß etwa 1982 aufgenommen sein. Wir sind zu der Zeit oft an diesem See zelten gewesen und meine Tochter und ich machen die Müritz hier gerade klar zum fahren. Ich hätte das Boot bei der Gelegenheit beinahe eingebüßt. Die vorderen kleinen Fenster waren offen und als das Boot mehrere hundert Meter auf dem See war, kamen Wellen auf. Ich hab sie sofort zurückgeholt aber einige Schwapp Wasser hat sie genommen. Das war knapp! Ende der 80er Jahre, als ich meine zweite Fernsteuerung angefangen habe, hab ich die Müritz an einen Kollegen verkauft.


Sportboot "Skipper"

skipper

Die Skipper hat auch ihre eigene kleine Geschichte. Ein Cousin von mir bekam vor vielen Jahren einen szechischen Bausatz für ein Sportboot geschenkt. Die Teile waren aus ziemlich dünnem Termoplast tiefgezogen. Irgendwie wurde das Ding nicht fertig (oder ging wieder kaputt), jedenfalls lag es ungenutzt rum. Mir gefiel die Rumpfform und da hab ich ihm das Teil abgebettelt ;o)


Rumpf & Deck

Ich hab den Rumpf in einer Pappkiste mit Gips abgeformt und dann mit Epoxydharz und Glasfasermatten einen neuen festeren Rumpf geformt.

Stevenrohr, Kokerrohr, Halterung für Empfänger, Servo und Motorhalterung kam auch noch in der ersten Bauwut rein. Das war's dann aber auch schon. Das angefangene Boot lag dann sage und schreibe von etwa 1988 bis 2001 ungenutzt rum. Nach mehreren Umzügen ist es mir bei irgendeiner Aufräumaktion wiedermal in die Hände gefallen. Da die alte Fernsteuerung auch noch da war, sollte es nun doch endlich fertig werden.

Zuerst habe ich auf den Rumpf einen Ramen aus 2 mm Sperrholz als Träger für das Deck geklebt.

Ich dachte erst, rot wäre eine gute Wahl für die Rumpffarbe. Nach einer ersten Probespritzung sah das aber doch fatal nach Spielzeug aus. Also fiel die Entscheidung doch wieder für einfaches Weiss.

Damit das Boot nicht dauernd auf dem Tisch rumschlittert, mußte es erst mal einen Ständer kriegen.

Hier greife ich dem Bauablauf etwas vor. das Bild zeigt aber schön die schnittige Rumpfform.

Für das Deck habe ich Kiefernleisten teilweise mit Mahagonibeize gefärbt. Dann wurden die Leisten zusammen mit ungefärbten im entsprechenden Muster auf 2 mm Sperrholz geklebt. Danach sollte eigentlich das Deck vor dem ersten Lackieren absolut plan geschliffen werden. Das erwies sich als Reinfall. Ich hatte gedacht, die dünnen Holzleisten würden beim Einstreichen von allen Seiten die Beize total aufsaugen, so das selbst nachträgliches Schleifen den Farbton erhalten würde. Denkste!!! Jeder Tischler weiß natürlich, daß besonders Kiefer durch den Harzanteil Beize unregelmäßig annimmt. Das sieht nach dem Beizen noch recht gut aus. Wenn man allerdings anfängt zu schleifen, findet man schnell Stellen wo die Beize nur oberflächlich deckt. Das gibt beim Schleifen dann helle Stellen. Die Frage war: alles noch mal machen oder nur sehr vorsichtig schleifen und mit einem nicht ganz ebenen Deck leben? In dem Fall hat der Geiz gesiegt ;)

Wieder ein Vorgriff im Bauablauf aber man sieht hier gut wie das Deck vor dem weiteren Ausbau aussieht.


Detail Ausbau

Hier ist nun schon das Cockpit fertig. Alle Teile bis auf die LED und den Schalter sind Eigenbau. Der Schalter funktioniert als Hauptschalter, der die Batterie entweder an das Stromversorgungsmodul oder die Ladebuchse schaltet. Die drei LED dienen als Batteriekontrolle.

Als kleinen Gag habe ich das Lenkrad an den Steuerservo gekoppelt. Beim Betätigen des Ruders über die Fernsteueranlage bewegt sich das Lenkrad synchron mit.

Hier sieht man schon mal den Gesamteindruck von Cockpit und Frontscheibe. Die Frontscheibe hat mir mehr Mühe gemacht, als ursprünglich angenommen. Sie besteht aus 2mm Acrylglas. Die Rundung hab ich über der Wölbung eines größeren Edelstahl Kochtopfs mit einer Heißluft Pistole geformt. Das ging erst mal gründlich schief. Man braucht schon ziemlich genau die richtige Temperatur und Wärmeverteilung. Der dritte Versuch hat aber ein halbwegs brauchbares Ergebnis gebracht.

Nun ist schon die Frontluke und auch ein Scheinwerfer eingebaut. Die Luke hat im Gegensatz zur Heckluke keine Scharniere, aber die selbe Art Verschluß. Hauptzweck der Luke ist Kontrolle des Motors und Zugang zur Ladebuchse. Der Scheinwerfer ist aus Messing gedreht, mit Griff und Halterung versehen und läßt sich horizontal 360 Grad schwenken. Leuchtmittel ist eine weiße 5mm LED mit einer Leuchtstärke von 5600 mcd. Ich hab solche LED das erste Mal eingesetzt und bin begeistert vom Effekt.

Man sieht hier den Fahnenhalter und die Heckklappe mit Scharnieren und Verschluß. Die Scharniere sind aus Messingblech und sehr dünnem Messingrohr gelötet und mit winzigen Messingnägeln in vorgebohrten Löchern montiert. Der Verschluß ist identisch mit dem der Frontklappe. Ich hab zuerst eine Art Pilzform gedreht, dann durch beidseitiges Abfeilen die ovale Grifform geschaffen. Die Fahne ist hier erst mal nur ein Papierexemplar zur Probe.

Hier ist die Unterseite der Verschlüsse zu sehen. Der Riegel wird von einer kleinen Zugfeder immer in Sperrichtung gehalten. Besonders die Frontluke kann sich also bei der Fahrt nicht selbständig machen.

Der Einbau der Elektronik ist fast abgeschlossen. Es fehlen nur die beiden Digitalschalter für die Beleuchtung und Sirene. Es ist doch ganz schön eng geworden. Immerhin müssen noch die beiden Schalter und der Laufsprecher rein.

Erster Badewannen-Schwimmtest. Na klar hat mein bester Freund Murphy wieder mal zugeschlagen. Das das Boot kopflastig ist, geht ja noch. Ich hoffe, es wird schon bei Normalfahrt weit genug aus dem Wasser gedrückt, um das auszugleichen. Allerdings hängt es links auch noch mächtig. der Empänger und Fahrregler sind auf der Seite doch um einiges schwerer als der Servo rechts.


Elektrische Schaltung und Komponenten

Blockschaltbild Skipper

Die Verdrahtung und Funktion ist einfach. Es gibt nur eine Batterie, die aus 8 Stück NIMH AA Zellen 1,2V 1,3Ah besteht. Die 9,6V werden vom Hauptschalter an das Stromversorgungsmodul und die Verbraucher geschaltet. Das Stromversorgungsmodul stellt die 5V für den Empfänger bereit.


Stromversorgung

Das Stromversorgungsmodul ist sehr einfach. Die eigentliche Stromversorgung besteht nur aus IC1 C1 und C2. Damit werden die 5V für den Empfänger erzeugt. Der Rest dient nur zur Spannungsanzeige. Der IC2 ist ein alter DDR Typ A277, der zur Ansteuerung von LED-Ketten diente. Durch Parallelschalten der Ausgänge 5-7 wird der grüne Bereich verbreitert. An Stelle einer LED hab ich an Pin 10 eine Schaltstufe gelegt, die bei Unterschreiten von 8,2V mit dem Relais die Sirene aktiviert. Man kann ja schließlich die niedlichen LED's auf dem Armaturenbrett vom Ufer aus nicht sehen ;)

So sieht die Stromversorgungsplatte nach dem ersten Entwurf aus. Ich verwende Lochmaster 2.0 zum Planen solcher Platten. Man darf von dem Programm zwar keine Wunder erwarten, aber besonders beim Planen der Größe der Platten und der Platzverteilung der Bauelemente hat sich das Programm sehr bewährt.

Das ist nun das Stromversorgungsmodul nach dem Aufbau.


Sirene

Die Sirene ist ebenfalls sehr einfach. Alles diskret mit Standardbauteilen.

Hier sieht man wieder die kleine Platte nach dem Aufbau.


Digitalschalter

Dieser Schalter wird von Conrad Electronic als Bausatz mit der Nummer 23 47 70 und mit der Nummer 23 47 37 als fertiger Baustein angeboten. Für den Skipper hab ich mir zwei Bausätze schicken lassen, die nach dem Aufbau problemlos funktionierten.


Einige Mechanische Details

Instrumente & Armaturen

Das Armaturenbrett sollte einige Instrumente erhalten. Aus einem Ersatzteilkatalog habe ich die Seite mit passenden Einbauinstrumenten gescannt. Mit dem Photoshop auf das richtige Maß gebracht, wurden die Instrumente dann wieder ausgedruckt und in Plastik laminiert.


links die gescannte Seite, rechts das Unnötige weggelöscht

Auf der Drehbank habe ich nach dem Schema unten kleine Messingringe gedreht. Die laminierten Skalen (grün dargestellt) sind eingeklebt und das ganze Instrument dann noch einmal sehr dünn lackiert.

Hier sind die Instrumente vor dem Einbau im Größenvergleich zu einem Cent zu sehen.

Zum Schluß wurden die drei Instrumente in stramme Bohrungen des Armaturenbretts eingeleimt.


Mehr Fotos von Details